Die neue Wirtschaftsidentifikationsnummer: Bürokratie statt Entlastung - Meine Meinung dazu Photo by Marco Griep

Die neue Wirtschaftsidentifikationsnummer: Bürokratie statt Entlastung - Meine Meinung dazu

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Die Bundesregierung hat (wie jedesmal) angekündigt, Unternehmen bürokratisch entlasten zu wollen – ein Versprechen, das in Wahlprogrammen und offiziellen Verlautbarungen prominent auftaucht. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer, insbesondere für Einzelunternehmer, zeigt sich die Realität jedoch gegenteilig: Mit der Einführung der Wirtschaftsidentifikationsnummer (W-IdNr) steigt die Zahl der Pflichtkennungen auf mindestens vier. Neben der Steuernummer, der Steueridentifikationsnummer und der Umsatzsteuernummer muss nun also auch noch eine weitere, verpflichtende Nummer beantragt und verwaltet werden.

Jährlich muss ich meine Umsatzsteuer abführen und in Elster melden, soweit ist das nichts neues. Die Frist für mich ist der 25.03.2026, also in wenigen Tagen. Absenden kann ich das Ausgefüllte Formular aber nicht, weil ich die neue W-IdNr noch nicht bekommen habe.

Bei Konzernen mit diversen Tochtergesellschaften mag die Einführung einer weiteren Identifikationsnummer vielleicht Sinn ergeben, aber warum muss es eine weitere Nummer für Einzelunternehmer geben, die ohnehin schon mit einem Dschungel an Bürokratie zu kämpfen haben? Es ist schwer vorstellbar, dass die W-IdNr tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung führt, wenn sie gleichzeitig neue administrative Hürden schafft. Ich schätze genau das Gegenteil wird passieren: Mehr Bürokratie, mehr Formulare, mehr Zeitaufwand – noch mehr potentielle Fallstricke in die man beim Ausfüllen der Formulare stolpern kann. Es ist frustrierend zu sehen, wie die Versprechen von Bürokratieabbau in der Praxis oft zu mehr Bürokratie führen.

Bürokratische Komplexität nimmt weiter zu

Es ist nicht primär die Anzahl der Nummern selbst, die meinen Blutdruck erhöhen, es ist vielmehr die Summe der Auflagen die man jährlich in unbezahlter Stundenlanger Arbeit erfüllen muss ohne das hier auch nur ein bisschen Wertschöpfung entsteht. Selbst als Kleinunternehmer hat man die gleichen Auflagen wie groß Konzerne, nur mit deutlich weniger Ressourcen und Zeit, Fachexpertise und Anwälten die sich mit der Materie auskennen.

Nur mal ein kurzer Überblick über die Bürokratie die Ich als Einzelunternehmer zu bewältigen habe:

  • Steuerliche Pflichten (Umsatzsteuer-Voranmeldungen, Einkommensteuererklärung, Gewerbesteuererklärun, Umsatzsteuererklärung) - Der klassiker, soweit ok
  • Verzeichnis mit Verarbeitungstätigkeiten (DSGVO) - Ja, auch das muss ich als Einzelunternehmer führen, obwohl ich keine Mitarbeiter habe und nur wenige Kundendaten verarbeite. - Nur Falls mal danach gefragt wird.
  • TOMs (Technische und Organisatorische Maßnahmen) - Ja, auch das muss ich als Einzelunternehmer dokumentieren, gerade in der IT.
  • Verfahrensdokumentation (GoBD) - Geschäftsvorgänge müssen dokumentiert werden, um die Einhaltung der steuerlichen Vorschriften nachzuweisen.
  • Mailarchivierung - Damit im Streitfall die Kommunikation nachvollziehbar ist, muss ich als Einzelunternehmer auch meine E-Mails archivieren.
  • Arbeitszeiterfassung - Nicht nur für meine Kunden, sondern auch für mich selbst, falls mein Arbeitgeber das verlangt - Stichwort Arbeitszeitgesetz.
  • Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) - Wenn ich bestimmte Datenverarbeitungen durchführe, muss ich eine DSFA erstellen, um die Risiken für die Rechte und Freiheiten der Betroffenen zu bewerten.
  • Projektdokumentation - Für jedes Projekt muss ich eine ausführliche Dokumentation erstellen.
  • Projekthaftungsgesetz - Ich muss sicherstellen, dass ich die Anforderungen des Projekthaftungsgesetzes erfülle, um Haftungsrisiken zu minimieren. Schwierig im Thema Softwareentwicklung.

Vom Lieferkettengesetz bin ich ja noch nicht betroffen, aber wer weiß was da noch kommt. Es ist einfach überwältigend, wie viele verschiedene Anforderungen es gibt, die ich als Einzelunternehmer erfüllen muss, um mich rechtlich abzusichern und meine Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Das ist aber alles Arbeitszeit in der ich keine Wertschöpfung erziele, keine Kundenprojekte vorantreibe, kein Marketing machen kann und Zeit die ich nicht verkaufen kann, da meine Kapazitäten begrenzt sind.

Meine Meinung zur Wirtschaftsidentifikationsnummer

Eigentlich gibt es mit der Steuernummer, der Steueridentifikationsnummer und der Umsatzsteuernummer genug Nummern, um mich als Wirtschaftssubjekt zu identifizieren. Die Ironie ist, dass ich bei Elster trotz Zertifikatsauthentifizierung und Eingabe all dieser Nummern noch immer im Formular meinen Namen, Vornamen, meine Anschrift etc. angeben muss. All diese Informationen sind bereits maximal redundant in den Datenbanken der Finanzverwaltung vorhanden; da hilft auch noch eine weitere Nummer nicht weiter. Ich weiß, die Wirtschaftsidentifikationsnummer soll Wirtschaftseinheiten eindeutig identifizieren. Trotzdem kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn ich als Einzelperson vier verschiedene Identifikationsnummern jonglieren muss, meine steuerliche Pflicht zu erfüllen. Ich habe kein Problem damit, meine Steuern zu zahlen, aber macht es uns doch bitte nicht unnötig schwer.